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Zu spät
Ich seh in viele fremde Kinderwagen -
so alt könnt jetzt mein eignes Kindchen
sein!
Nein, ich kann niemals seinen Namen
sagen -
Ich ließ es töten und bin ganz allein!
Ich höre so viele frohe Kinder lachen -
mein eignes Kind kam in die Müllabfuhr!
Ich sehe Spielzeug, tausend Kindersachen
-
von meinem Kind gibt`s keine einz`ge
Spur.
Doch - eine bleib! Sie bleibt in meinem
Herzen:
die Scham, die Reue über diesen Mord!
Unüberbringlich!!! Was sind das für
Schmerzen,
sie quälen mich auch an dem schönsten
Ort!
Ich kann es niemals ungeschehen machen!
Ich bin verändert, fürchterlich entleert
-
ich warf mein Kind wie in des Molochs
Rachen!
Was bin ich nach dem Mord nach selber
wert?
Wenn Menschen zu mir reden oder
schweigen -
die Stimme meines Kindes zu mir spricht:
"O Mutter, ich wollt` so viel Lieb`dir
zeigen -
o Mutter, warum wolltest du mich nicht?"
Es ist vorbei. Nicht Reue hilft und
Grämen!
Warum hab`ich auf Ratgeber gehört
und ließ mein Kind aus meinem Schoß
nehmen?
Es wurde so gequält, dann ganz zerstört.
Die Stimme klagt in mir seit vielen
Jahren -
ist`s das Gewissen? Ist es Gottes Ruf,
weil ich sein Eigentum nicht
wollt`bewahren,
sein Kind, das er in meinem Leib
erschuf?
Ich kann nicht sagen, wie sehr ich
bereue,
was ich an Gott und meinem Kind getan!
Vergib mir, Herr! Halt DU mir DEINE
Treue,
nimm DU mich als DEIN Kind doch wieder
an!
O Herr, ich hab`millionenfach gelitten!
Wenn ich bei DIR bin in der Ewigkeit,
zeig mir mein Kind! Erfülle meine
Bitten,
den großen Wunsch: gaß, mir mein Kind
verzeiht!
Ursula Höntsch
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